Für die meisten Menschen ist ein Hauseingang nur ein Durchgang. Eine Parkbank ein Ort zum Ausruhen. Eine öffentliche Toilette eine Notlösung. Doch für viele obdachlose Menschen übernehmen genau diese Orte eine andere Funktion: Sie werden zu Schlafzimmern, Badezimmern, Wohnzimmern und Rückzugsorten.
Poesie des Überlebens ist eine Foto- und Gedichtkampagne zum Tag der wohnungslosen Menschen am 11. September 2026. Die Kampagne macht sichtbar, was im Alltag oft übersehen wird: Wie öffentlicher Raum von Menschen genutzt werden muss, die keinen privaten Raum mehr haben.
In fünf fotografischen Interventionen werden alltägliche Orte der Stadt mit Gegenständen besetzt, die ihre tatsächliche Bedeutung für obdachlose Menschen offenlegen. Begleitet werden die Fotografien von Gedichten, die aus der Ich-Perspektive erzählt werden. Sie geben Einblicke in Lebensrealitäten, die oft von Vorurteilen überlagert werden. Die Kampagne stellt gängige Annahmen infrage: dass obdachlose Menschen nicht arbeiten wollen, ihren Tag mit Nichtstun verbringen oder sich nicht um sich selbst kümmern würden. Stattdessen zeigt sie den täglichen Kampf ums Überleben, aber auch von Hoffnung.