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Housing Action Days 2026 – Arbeitend und wohnungslos: Ein Gespräch mit Ani

Im Rahmen der Housing Action Days 2026 richtet sich der Blick auf eine oft übersehene Gruppe: Menschen, die arbeiten und dennoch keinen festen Wohnraum haben. 

Wohnungslosigkeit bedeutet nicht automatisch Arbeitslosigkeit. Gerade in Großstädten wie Berlin zeigt sich immer deutlicher, wie eng prekäre Beschäftigung und fehlender Zugang zu Wohnraum miteinander verknüpft sind.

Ani ist eine von ihnen. Die 53-Jährige stammt aus Bulgarien und wird im Rahmen des Projekts мост – Berliner Brücke zur Teilhabe begleitet – einer Initiative, die EU-Bürger*innen ohne gesicherten Zugang zu Sozialleistungen beim Aufbau einer stabilen Lebenssituation in Berlin unterstützt.

Ein Neuanfang mit Hindernissen

2018 kam Ani nach Berlin, nachdem sie die Stadt zuvor bei einem Besuch kennengelernt hatte. Die positiven Eindrücke und die Perspektive auf ein besseres Leben führten zu der Entscheidung, nach Deutschland zu ziehen. Zunächst wohnte sie bei einer Freundin, unterstützte im Haushalt und versuchte, sich Schritt für Schritt eine eigene Existenz aufzubauen.

Doch der Weg in ein selbstständiges Leben gestaltete sich schwieriger als erwartet. Wie viele andere Menschen – insbesondere EU-Bürger*innen ohne gesicherten Zugang zu Sozialleistungen, ausreichende Sprachkenntnisse oder stabile Netzwerke – sah sich Ani mit strukturellen Hürden konfrontiert: ein angespannter Wohnungsmarkt, hohe Mieten und unsichere Beschäftigungsverhältnisse.

Arbeit ohne Wohnung kein Einzelfall

Der Fall Ani steht exemplarisch für ein wachsendes Problem. In Berlin ist Wohnraum seit Jahren knapp und teuer. Wer im Niedriglohnsektor arbeitet, etwa in der Logistik, auf dem Bau, in der Reinigung oder als Lieferfahrer*in, hat oft kaum Chancen auf einen eigenen Mietvertrag.

Gleichzeitig fehlt es an verlässlichen Zahlen: Wie viele Menschen trotz Arbeit wohnungslos sind, lässt sich nur schwer beziffern. Die Dunkelziffer ist hoch. Viele leben in Notunterkünften, Wohnheimen, bei Freund*innen oder Verwandten oder zeitweise auf der Straße. Was sie verbindet: Ihr Einkommen reicht nicht aus, um sich dauerhaft abzusichern.

Anlässlich der Housing Action Days 2026 machen Initiativen europaweit auf die Situation von wohnungs- und obdachlosen Menschen aufmerksam. Im Zentrum stehen dabei auch Menschen wie Ani, deren Lebensrealität in politischen Debatten oft unsichtbar bleibt.

Anis Geschichte in ihren eigenen Worten

Im Video berichtet Ani selbst von ihrem Weg nach Berlin, den strukturellen Hindernissen, mit denen sie konfrontiert war, und den kleinen Fortschritten, die für sie eine große Bedeutung haben. Ihr Bericht gibt einem gesellschaftlichen Problem ein Gesicht – und erinnert daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht.

 

Das Projekt „мост – Berliner Brücke zur Teilhabe“ wird im Rahmen des Programms „EhAP Plus – Eingliederung hilft gegen Ausgrenzung der am stärksten benachteiligten Personen“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.