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Abschlussveranstaltung der Berliner Kältehilfe: Nachtwärmecafés als sinnvolle Ergänzung des Hilfesystems?

In wenigen Wochen endet die Kältehilfeperiode 2025/26. Die zurückliegende Saison war geprägt von einem langen, kalten Winter und der Frage, inwieweit Nachtwärmecafés das bestehende Hilfesystem sinnvoll ergänzen können. 

Die  Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe, ein Projekt der GEBEWO pro gGmbH, lud am 20. April 2026 zu einem fachlichen Austausch im Rahmen der Kältehilfeabschlussveranstaltung ein. Kooperationspartner*innen, Träger, Initiativen, Gemeinden sowie bezirkliche und staatliche Vertreter*innen und Expert*innen in eigener Sache kamen dazu in der Philipp-Melanchthon-Kirche zum Thema „Nachtwärmecafés. Eine sinnvolle Ergänzung zum Kältehilfeangebot?“ zusammen. 

Die Kältehilfe steht für Solidarität und Menschlichkeit 

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Ingo Bullermann, Geschäftsführer der Neuen Chance gGmbH, die in der auslaufenden Saison eine Kältehilfe Notübernachtung  mit 36 Übernachtungsplätzen am Steglitzer Kreisel betrieben hat. 

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe  betonte, dass die Berliner Kältehilfe für Solidarität und Menschlichkeit stehe. Die vergangene Saison habe gezeigt, wie wichtig ein verlässliches Hilfesystem sei, insbesondere während der extremen Kälte im Januar, als durch schnelles Handeln zusätzliche Übernachtungsplätze geschaffen wurden. Dies sei dem großen Engagement aller haupt- und ehrenamtlich Beteiligten zu verdanken. 

Auch DWBO-Direktorin Dr. Ursula Schoen betonte die zentrale Bedeutung des Hilfesystems und unterstrich, dass die Berliner Kältehilfe für eine Humanität stehe, die Grenzen, Sprachen und Kulturen überschreitet. 

Nutzung der Kältehilfeangebote auf konstant hohem Niveau 

Jens Aldag und Sabrina Niemietz von der Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe der GEBEWO pro stellten die Nutzungszahlen der laufenden Kältesaison vor: Der Bedarf an Notübernachtungsplätzen blieb auch in dieser Saison konstant hoch. Durchschnittlich standen täglich 1.067 Plätze zur Verfügung. Seit dem 01. Oktober nutzten täglich durchschnittlich 956 Personen diese Plätze. Am 17. Februar erreichte die Auslastung mit 1.179 Gästen ihren Höchstwert von 97,3 Prozent. 

Auch frauenspezifische Angebote waren stark beansprucht. Bei durchschnittlich 170 vorhandenen Plätzen lag die Auslastung bei 91,3 Prozent. Täglich suchten im Schnitt 251 Frauen Schutz in Notunterkünften, an Spitzentagen bis zu 292. 

Solidarität sichert überlebenswichtige Hilfe 

Überschattet wurde die Kältehilfesaison 2025/26 durch Brandanschläge auf die Kältebusse der Berliner Stadtmission. Gerade die aufsuchenden Angebote der Kälte- und Wärmebusse stellen jedoch einen unverzichtbaren Bestandteil der Berliner Kältehilfe dar, insbesondere für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen keine Notschlafstellen aufsuchen können. In dieser herausfordernden Situation zeigte sich die große Stärke der Berliner Kältehilfe ebenso wie die Solidarität der Bevölkerung weit über die Stadtgrenzen hinaus: Dank großzügiger Geldspenden sowie der Leihgabe von Bussen, u. a. durch die GEBEWO, konnte die überlebenswichtige Hilfe für obdachlose Menschen fortgesetzt werden. 

Nachtwärmecafés als niedrigschwellige Ergänzung der Kältehilfe 

In der ablaufenden Kältehilfesaison wurden erstmals temporäre Nachtwärmecafés eingerichtet. In den Bahnhofsmissionen am Hauptbahnhof und im Zentrum am Zoo boten sie warme, geschützte Aufenthaltsmöglichkeiten und wurden von Beginn an sehr gut angenommen. Zudem wurde erstmals ein Nachtwärmecafé speziell für drogengebrauchende obdachlose Menschen am Kottbusser Tor betrieben. Obwohl – oder gerade weil – dieses Angebot bewusst niedrigschwellig angelegt war und weder Schlafplätze noch warmes Essen umfasste, wurde es innerhalb kürzester Zeit intensiv genutzt. 

Unter welchen Voraussetzungen Nachtwärmecafés eine sinnvolle Ergänzung des Kältehilfeangebote sein können, wurde bei einem sich anschließenden World-Café zum Thema Niedrigschwelligkeit der Versorgungsangebote lebhaft diskutiert. 

Belastungstest für das Hilfesystem 

In den Monaten Januar und Februar kam es mehrfach zu Kälteeinbrüchen, die erwartungsgemäß eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Übernachtungsplätzen zur Folge hatten. In enger Abstimmung mit der  Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (SenASGIVA) konnten in zwei Fällen kurzfristig zusätzliche Übernachtungsplätze geschaffen werden. Zahlreiche Einrichtungen reagierten kurzfristig auf die eisigen Temperaturen, indem sie ihre Angebote temporär ausweiteten – etwa durch zusätzliche Plätze oder Wochenendöffnungen. 

Dabei zeigte sich erneut: Es fehlen weiterhin verlässliche Instrumente, um bei plötzlichen Kälteeinbrüchen schnell, unbürokratisch und bedarfsgerecht nachzusteuern. Die Abhängigkeit von kurzfristigen Einzelabsprachen reicht angesichts der Risiken für Gesundheit und Leben nicht aus. Zudem benötigen Menschen ohne Obdach zwingend auch warme Tagesaufenthaltsmöglichkeiten. 

Ende der Kältehilfeperiode 

Anfang April standen noch insgesamt 1.124 Plätze zur Verfügung. Diese reduzierten sich ab dem 15. April auf 999 Plätze und ab Mai – nach Ende der Kältehilfeperiode 2025/26 – auf rund 450 Plätze in insgesamt elf ganzjährigen Einrichtungen. 

Die dann noch geöffneten niedrigschwelligen Angebote finden sich weiterhin tagesaktuell auf der Seite der Berliner Kältehilfe

 

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